Laudatio 2019

Die Jury des Robert Geisendörfer Preises 2019 würdigt in diesem Jahr funk, das gemeinsame Content-Netzwerk von ARD und ZDF. Der Sonderpreis geht an: Sophie Burkhardt, stellvertretende Programmgeschäftsführerin, und Florian Hager, Programmgeschäftsführer von funk. Die Laudatio hielt Dr. Yvette Gerner, Intendantin von Radio Bremen.

Verena Brüning
Sophie Burkhardt und Florian Hager rufen das Team von funk, das gemeinsame Content-Netzwerk von ARD Und ZDF, auf die Bühne

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Sophie Burkhardt, lieber Florian Hager, liebe KollegInnen von funk,

ich freue mich außerordentlich, diese Laudatio auf Sie/Euch halten zu dürfen, wenn auch rundfunkratsitzungsbedingt als Gruß aus Bremen und nicht live. Dafür aber, das sei verraten, haben sich die funk-KollegInnen von Radio Bremen etwas Besonderes einfallen lassen. Zu Beginn möchte ich die Laudatio schon mal in einem der vielen funk-Formate nämlich hochkant präsentieren.​

Wir leben in einer VUCA Welt – einer Welt die volatil, unklar, komplex und voller ambiguity, Zweideutigkeit ist. Scheinbar ist nichts mehr sicher, alles in Veränderung. Gesellschaftliche Gruppen differenzieren sich auseinander, Individualisierung nimmt zu. Diese Veränderungsprozesse zu begleiten, darauf zu reagieren und gleichzeitig eine Plattform für gesellschaftliche Debatte, Austausch und Meinungsbildung herzustellen, ist die große Herausforderung für öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Denn neben seinen Funktionen zu informieren, kritisch zu hinterfragen, zu bilden und zu unterhalten, ist es aktuell die vordringlichste Aufgabe von ARD und ZDF Öffentlichkeit herzustellen für den gesellschaftlichen, demokratischen Diskurs über alle Interessen und alle Altersgruppen hinweg. Eine spannende aber auch eine schwierige Aufgabe in einer Zeit, in der der Generationenabriss bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen im linearen TV Programm von ARD und ZDF immer größer wurde.

Die Entscheidung, ein eigenes Angebot für die Zielgruppen zwischen 14 und 29 Jahren zu entwickeln, war auch deshalb eine große gemeinsame Leistung von politisch Verantwortlichen in den Ländern und der beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten. Doch jeder Programmverantwortliche weiß, dass mit der Entscheidung ein eigenes Angebot für die heterogene Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu schaffen, eine echte Pionieraufgabe verbunden war. Nicht ganz zu Unrecht bezeichnete Peter Boudgoust die Schaffung von funk vor über drei Jahren als „Neuerfindung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“.

Mit dieser Neuerfindung wurden Sophie Burkhardt und Florian Hager mit dem heute auch präsenten Team betraut. Fragt man die funk-Mitarbeitenden, dann ergänzen sich beide gut. Sie haben eine hohe Übereinstimmung, wenn es um den Blick auf die digitale Welt geht, sind nah dran an ihrer Zielgruppe, Sophie zeichnet außerdem eine hohe analytische Kompetenz aus. Immer wieder bereichert sie Debatten durch ganz andere Blickwinkel disruptiv, um am Ende der Debatte eine originellere Lösung zu erreichen. Flo ist der Kontakter, bringt Herzlichkeit ins Team ist aber immer professionell und mit kreativer Kraft dabei. Zwei unterschiedliche Typen mit hoher Digitalkompetenz, die sich ergänzen und ihre Vision von funk unbeirrt vorangetrieben haben.

Die Pionierleistung von Florian Hager und Sophie Burkhardt – und die beiden wären die Ersten, die das auch immer auf das ganze Team beziehen – besteht aus mindestens drei großen Leistungen:​

Die Erste ist die Offensichtliche: Sie haben eine Idee entwickelt und konsequent durchgesetzt. Ihre Idee ein loses Contentnetzwerk mit Angeboten auf allen Plattformen von YouTube bis Facebook, von Instagram bis TikTok zu entwickeln, hatte wenig bis nichts mit den gewohnten Medienerfahrungen begleitender Gremien und Chefs in allen Sendern zu tun. Und trotz aller Zweifel, allem Unverständnis: Drei Jahre nach Start ist es gelungen, ein erfolgreiches Content Netzwerk mit den unterschiedlichsten Kreatoren erfolgreich am Markt zu positionieren.

73% der 14-29 Jährigen kennen funk. 70 Formate gibt es lose in einer App gebündelt. Allein auf YouTube erreichte funk 2018 eine Milliarde Views. Schaut man sich die Vielfalt der Formate an, dann erahnt man, welche Mühe es kostet, Kreativität zu fördern und gleichzeitig professionell zu managen. Jeder der schon mal die genauen standardisierten Anforderungsprofile für neue funk-Projekte ausgefüllt hat oder in der funkzentrale in Mainz die Monitore mit Sehvolumen, Interaktionen, Views, Shares etc. auf allen Plattformen studiert hat, weiß um die klaren Rahmenbedingungen innerhalb derer eine breite Range an Kreativität und großer Typenvielfalt verwirklicht werden kann.

Die zweite Leistung besteht darin, eine radikale Idee abseits der linearen Denke in den Mutterhäusern, orientiert an den Nutzerbedürfnissen und der Plattformwelt, durchzusetzen. Fragt man funk-KollegInnen in den Mutterhäusern nach der Leistung von Florian Hager und Sophie Burkhardt dann hört man immer: „Sie haben uns den Freiraum gegeben, unsere Projekte zu verwirklichen“. Dazu braucht es, das kann ich aus eigener Beobachtung sagen, unendliche Geduld gegenüber den KollegInnen der klassischen TV und Radiowelt. Das ging und geht nur einher mit viel Know-How-Transfer in die Mutterhäuser. Sophie Burkhardt und Florian Hager brauchten zudem oft ein breites Kreuz, um die Creatoren bei funk zu schützen oder zu verteidigen, wenn es beispielsweise auch mal Ärger bis hin zur Befassung im Rundfunkrat gab.

Die dritte Leistung ist ganz klar, die inhaltliche öffentlich-rechtliche Leistung. Lassen Sie mich Sie mitnehmen ins world-wide-wohnzimmer von funk, die Welt in der Florian Hager und Sophie Burkhardt sich täglich bewegen, die sie kreativ begleiten, hüten, controllen und weiterentwickeln:​

Dabei reicht die Begeisterungsfähigkeit in der funkzentrale von kleinen unaufwändigen Formaten wie „Offen und Ehrlich" vom SR bis hin zur aufwendigen fiktionalen seriellen Erzählung „Druck“, betreut vom ZDF. Jugendliche und junge Erwachsene finden Angebote für ihre Lebenswirklichkeit vom Umgang mit Fakes bis hin zum Umgang mit Liebeskummer. Sie werden Teil einer Community, diskutieren, fiebern mit.

Relativ nah an klassischen Sehgewohnheiten muten die Reportagen bei den follow me reports bei ZDF.info und des Y-Kollektivs von Radio Bremen an. Doch Themensetzung und Umsetzung sind spezieller, authentisch, nah an den Protagonisten und investigativ. Als Beispiel sei der Rap Hack des Y-Kollektivs genannt, der inzwischen über 2,4 Millionen Abrufe auf Youtube erzielte.

Bei funk wird für Kliemannsland ein Bauernhof gekauft und im Netz gar zum eigenen Land. Im maiLab und bei MrWissen2go werden wissenschaftliche Themen so verständlich aufbereitet, dass die Jugendlichen sich beispielsweise bei Mai für den Beitrag zum Thema Impfen bedanken und sagen, ihre Eltern seien Impfgegner aber sie selbst würden jetzt noch einmal über das Thema nachdenken.

Bei Germania von der funk ZDF Zentrale sprechen Prominente verschiedener Herkunft über ihr Deutschland, bei Wumms von WDR, NDR und Radio Bremen sind sportkompetente Köpfe dabei die aktuellen Themen der Fußball Welt witzig, kritisch und extrem unterhaltsam aufzubereiten. Die Liste ginge noch lange weiter aber ich wurde ja auch gebeten, die Rede nicht zu lange zu machen.

Bevor es zu lobhudlerisch endet, lassen Sie mich feststellen. Florian Hager und Sophie Burkhardt wären die Ersten die sagen, es sei nicht alles leicht und fehlerlos. So passen sie leise oder mal lauter ständig an, führen zusammen, sorgen dafür, dass aus Fehlern gelernt wird.

Ich freue mich, dass der Ehrenpreis des Robert Geisendörfer Preises an Florian Hager und Sophie Burkhardt geht.

Ich weiß nicht, ob es auch Dir Flo schon passiert ist, bei Sophie habe ich es mehrfach erlebt. Sophie wird im ZDF schon mit der Aufgabe für funk gleichgesetzt und von ZDF Hierarchen als Frau funk tituliert.

Ich erlaube mir das jetzt mal ganz bewusst:

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung Sophie Burkhardt alias funk und Florian Hager alias funk!!!