7 Brüder

Autor und Regisseur Sebastian Winkels. ZDF 2004 (Redaktion: Das kleine Fernsehspiel, Produktion: credofilm/HFF Konrad Wolf)
 

Andreas Schoelzel

Sebastian Winkels (Mitte) und vier der Hufschmidt-Brüder

Begründung der Jury

Der Geisendörfer Preis für die Sparte Fernsehen geht an Sebastian Winkels, der seine Arbeit als Regisseur mit der Kamera in der Hand angefangen hat. Das sieht man dem Dokumentarfilm 7 Brüder an. Der Film ist als Gesamtkunstwerk absolut überzeugend. Sebastian Winkels hat eine ästhetische Form gefunden, die den Zuschauer zwingend auf die Gesichter der Protagonisten konzentriert: Schwarz und weiß und ein Gesicht: dieses Muster variiert sich im Verlauf der 86 Minuten, die diese dokumentarische Familienaufstellung anhält. Dazu kommt eine grandiose Lichtsetzung, die Vergangenes, Verborgenes pointiert ans Licht bringt und ihm zugleich die Intimität erhält.

Beleuchtet wird das Leben einer Familie, deren sieben Söhne zwischen den Jahren 1929 und 1945 geboren wurden. Sie haben ganz unterschiedliche Berufe gewählt. Es erzählen ihr Leben ein Kaufmann, ein Schauspieler, ein Unternehmer, ein Lehrer, ein Komponist, ein Bäcker und ein spät berufener Pfarrer. Wie Mosaiksteine, die sich im Laufe der Zeit zu einem Gesamtbild komponieren, so geben die Erzählungen der sieben Brüder über die Zeit, in der sie groß wurden, einen tiefen Einblick in das Leben der Generation, die als Kinder und Jugendliche den Krieg erlitten hat und als so genannte „weiße Jahrgänge“ das Deutschland der Nachkriegszeit mit ihren ganz unterschiedlichen Erfahrungen geformt und geprägt hat. Sie erzählen über die Mutter und ihre Rolle in der Familie, über den Vater und die Autorität, über das Verschweigen in der Nazizeit und über das bürgerliche Leben in der Werteordnung einer protestantischen Familie.

7 Brüder ist ein Familienporträt und ein zeitgeschichtliches Dokument in einem. Es ist ein Film, dem es gelingt, die Auswirkungen der politischen Entwicklung in einer einzigen Familie zu zeigen und zugleich offen zu legen, wie die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Verarbeitungen und Lebensdeutungen die verschiedenen Menschen geprägt haben. Der Film 7 Brüder zeigt auch, dass Zukunft ohne das Wissen um die Herkunft nicht zu haben ist.