Sonderpreis 2007

Der Sonderpreis der Jury 2007 geht an Heike Hempel, Redaktionsleiterin Fernsehspiel II und Das Kleine Fernsehspiel (ZDF) .

Jörn Neumann

Heike Hempel, Landesbischof Dr. Ulrich Fischer, Vorsitzender der Jury „Allgemeine Programme“

Begründung der Jury

„Es gibt kein standardisiertes Einreichformular – präsentieren Sie den Stoffvorschlag, wie es Ihnen am sinnvollsten erscheint“, rät die Redaktion des „Kleinen Fernsehspiels“ auf ihrer Homepage. Und weiter: „Am liebsten sind uns Exposés oder Treatments – noch keine fertigen Drehbücher.“ Seitdem es das ZDF gibt, gibt es auch die Nachwuchsredaktion „Das kleine Fernsehspiel“; namhafte Regisseure wie Wolfgang Petersen oder Rainer Werner Fassbinder, Jim Jarmusch oder Tom Tykwer realisierten hier ihre frühen Projekte. Heike Hempel, die bereits beim WDR für die Förderprogramme „Avanti Debütanti“ und „Six Pack“ verantwortlich gewesen war, übernahm im Mai 2000 die erfolgreichste Programmwerkstatt des deutschen Fernsehens. Ein Jahr zuvor hatte Fernsehspielchef Hans Janke die damals 34-Jährige als Redaktionsleiterin der Abteilung „Hauptabteilung Fernsehspiel II“ auf den Mainzer Lerchenberg gelockt. Bis heute ist Heike Hempel beim ZDF deshalb nicht nur für die „kleinen“ Kunststücke im Spätprogramm, sondern auch für so „große“ Primetime-Erfolge wie die Historiendramen „Dresden“ oder „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ verantwortlich.

Weil man nach Hempels Überzeugung mit Talent- und Nachwuchsarbeit nur bestehen kann, „wenn man sich in jedem Augenblick der Gegenwart stellt“, hat sie in den zurückliegenden sieben Jahren den Blick des „Kleinen Fernsehspiels“ in mehrfacher Hinsicht erweitert: Die Talentsucher fördern nun neben Spielfilmtalenten verstärkt junge Dokumentarfilmer und all jene, die den großen Freiraum zwischen Fiktion und Realität für sich entdeckt haben. Auch werden die Förderprojekte nun öffentlich ausgeschrieben – zuweilen mit unerwartet großer Resonanz. Themen wie „Glück im Unglück“, „Agenda 2020 – Wie werden wir leben?“, „Absolute Beginners – Der erste Job“ oder „Aufgewachsen in Europa“ lenken die Aufmerksamkeit der Jungfilmer behutsam, aber doch bestimmt auf gesellschaftlich relevante Themen und bringen so immer häufiger Filme hervor, die beim Robert Geisendörfer Preis nominiert und – wie zum Beispiel in diesem Jahr Katharina Peters Dokumentation „Am seidenen Faden“ – auch lobend erwähnt oder ausgezeichnet werden. Mit dem diesjährigen Sonderpreis an Heike Hempel möchte die Jury über diese vielen künstlerischen Einzelleistungen hinaus die Förderpraxis des „Kleinen Fernsehspiels“ würdigen und dabei Heike Hempels Engagement für gesellschaftsrelevante Gegenwartsstoffe besonders herausheben.