Der Weltgerechtigkeitsbasar. Der „Fall Bhutan” und der Menschensrechtsrat der Vereinten Nationen

Autor Jörn Klare und Regisseurin Heide Schwochow. DLF (Redaktion: Feature), NDR 2007

Andreas Heddergott

Ulrich Fischer, Heide Schwochow, Jörn Klare, Johanna Haberer

Begründung der Jury

Jörn Klare und Heide Schwochow nehmen uns mit auf die mühsame Reise des Buthanesen Ratan Gazmere zur UN nach Genf. Dort versucht der Menschenrechtler, der Sache der buthanesischen Flüchtlinge Gehör zu verschaffen. Leise und eindringlich entfaltet das Feature ein Bild von den Menschenrechtsverletzungen in dem absolutistisch regierten Königreich im Himalaya. Gekonnt mit den radiophonen Möglichkeiten spielend, blättert der Autor dabei die Mechanismen auf der Weltbühne der Politik auf, desillusioniert und klärt auf.

Die Sendung bietet einen seltenen Blick hinter die Kulissen einer internationalen Organisation, ihrer Arbeits- und Funktionsweise und seziert so ganz nebenbei, dass Menschenrechtspolitik im weltpolitischen Getriebe längst nur noch eine Frage von Macht und Interessen geworden ist. Diese Einblicke gelingen fast beiläufig, wenn wir den Schilderungen Ratan Gazmeres zuhören, ihn bei seinen Versuchen begleiten, im Genfer UN-Getriebe überhaupt Gesprächspartner zu finden.

Mit Respekt und Achtung begegnet der Autor seinem Protagonisten auch, wenn er Ratan Gazmere in einer Vielzahl kleiner Rückblicke berichten lässt - von der „Ein-Land-ein-Volk-Politik“ der Regierung Buthans Ende der 80er Jahre, von Ratans Opposition, von seiner Verhaftung, Folter, Gefängnis, dem Einsatz von Amnesty International und den Reaktionen des Regimes darauf. Das sind leise Töne, die unter die Haut gehen. Zwischendurch finden wir uns in Nepal wieder, in den buthanesischen Flüchtlingslagern. Nur wenige, geschickt gewählte O-Töne geben gleichermaßen Ahnung von der Trostlosigkeit und dem politischen Sprengstoff. „Die Welt wacht erst auf, wenn sie Blut und Leichen sieht“, bilanziert Ratan seine 16. Reise nach Genf. Jörn Klare hat schon vorher genau hingehört und geschaut. Ihm und der Regisseurin ist mit „Der Weltgerechtigkeitsbasar“ ein meisterliches Hörstück gelungen, das ernüchternde Einsichten auf vielen Ebenen ermöglicht und das dennoch auch von Kraft und Hoffnung erzählt.