Die Weggeworfenen. Geschichte einer Abschiebung

Autoren und Regisseure Lutz Ackermann, Anita Blasberg und Marian Blasberg. ZDF 2008 (Redaktion: Innenpolitik)
 

Sebastian Willnow

Anita Blasberg, Marian Blasberg, Lutz Ackermann

Begründung der Jury

Guter Journalismus ist nicht flüchtig und vergesslich, sondern bleibt seinen Themen auf der Spur. Man nennt es Nachhaltigkeit, und zu welch überzeugenden Ergebnissen die Beharrlichkeit von Reportern führen kann, zeigt der Film „Die Weggeworfenen“ des Fernsehjournalisten Lutz Ackermann und der beiden „Zeit“-Autoren Anita Blasberg und Marian Blasberg. Bereits in einer – zu Recht preisgekrönten – Reportage im „ZEITmagazin“ hatte das Geschwisterpaar die Prozedur einer Sammelabschiebung minutiös rekonstruiert. Schon damals im Mittelpunkt: die Familie Kpakou, bestens integriert in Cölbe bei Marburg, dann jedoch von Staats wegen verfrachtet nach Togo. Wie ist es den Abgeschobenen in ihrer alten/neuen Heimat ergangen? Die drei Reporter wollten es wissen und reisten für das ZDF nach Afrika. Was sie vorfanden: mühsames Überleben in fremder Umwelt, charmante, kluge Menschen, die noch immer an Deutschland hängen und sich von ihren Landsleuten in Togo „die Weggeworfenen“ nennen lassen müssen. Weil Deutschland sie nicht mehr wollte.

Diese packende TV-Dokumentation überzeugt mit dem Zeugnis dieser Vertriebenen, mit faszinierend einfachen Bildern, die Ackermann als Kameramann in Togo eingefangen hat, und mit einem lakonisch-nüchternen Filmkommentar, der ohne falsche Anklage auskommt und deshalb umso stärker an die Verantwortung von Politik und Gesellschaft erinnert. Der Film ist spannend und kommt sogar fast ohne emotionalisierende Musik aus, wie sie heute beim „Infotainment“ üblich ist. Ein Rätsel, wie das ZDF diese Perle im Nachtprogramm verstecken konnte. In einem Jahr, in dem das Bleiberecht für langjährig geduldete Flüchtlinge auszulaufen droht, ist der Film „Die Weggeworfenen“ ein zwingender Appell an unser aller Mitmenschlichkeit.