Von einem, der auszog, den Tod nicht zu fürchten

Autorin Dr. Karla Krause, Deutschlandradio Kultur 2011 (Redaktion: Feature/Hörspiel)
 

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Karla Krause (Preisträgerin Hörfunk)

Begründung der Jury

„Der Friedhofsgärtner hat mich öfter weinen sehen als meine Freunde“, gibt Karla Krause zu, und dass der Friedhof, auf dem sie ihren Ehemann begrub, ihr nun unerwartet zur zweiten Heimat geworden ist. Eine Heimat, in die ihre Freunde ihr nicht folgen mögen, die aber kein einsamer Ort ist. Im Gegenteil. Ihr Feature „Von einem, der auszog, den Tod nicht zu fürchten“ ist reich bevölkert – von Sterbenden und Hinterbliebenen, von fürsorglichen Grabpaten und alternden Trümmertunten, von den Toten und den Lebenden. Karla Krause bewegt sich zwischen ihnen mit dem sachten Schritt des Neuankömmlings, mit dem weitschweifenden Blick der Flaneurin, mit dem Gram der Witwe, mit der Erfahrung der Journalistin. Aufschlussreiche Interviews, zum Beispiel mit dem Betreiber des Friedhofscafés, der den eigenen Tod als „Silvester des Lebens“ ohne Furcht erwartet, oder mit der MS-Kranken, die die Autorin mit pragmatischer Freundlichkeit zu ihrer Beerdigung einlädt, bilden das Zentrum des Hörstücks. Aber Krause lässt ihr Publikum auch an der eigenen innigen Zwiesprache teilhaben. Es soll klingen, als erzähle sie alles, was sie auf dem Alten St.-Matthäus-Friedhof in Berlin erlebt und bewegt, nicht etwa uns, sondern ihrem toten Mann. In Wahrheit ist ihr oft poetisches Feature aber eine Einladung an uns alle, sich zu jenen Zwischenräumen zu bekennen, die der Tod den Hinterbliebenen zuweilen schenkt als den berühmten „kleinen Trost“ für den erlittenen großen Verlust.

Der Jury gefiel vor allem dies: Die Munterkeit, mit der hier über den Tod nachgedacht, und die Gelassenheit, mit der seine Notwendigkeit akzeptiert wird. Aber auch die Zuversicht, mit der Karla Krause ihren Rundgang beendet: „Ich muss noch ein wenig leben lernen, bevor ich sterbe. Leben ohne dich.“