Rede 2013 von Bernd Merz

Pfarrer Bernd Merz, Vorsitzender der Jury „Kinderprogramme“

epd/Stephan Wallocha

Marcus Hertneck, Marc-Andreas Bochert,Preisträger Kinderfernsehpreis, Bernd Merz, Juryvorsitzender Juryprogramme

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger, lieber Herr Intendant Marmor, lieber Herr Landesbischof Fischer, sehr geehrte Damen und Herrn,

„Jedes Kind wird mehr durch Auflehnung als durch Gehorsam“, hat der große Kinderfreund Peter Ustinov gesagt. Dieses Zitat stand am Beginn der ersten Preisverleihung des Robert Geisendörfer Preises für Kinderprogramme 2004. Und damals fügte ich an, was auch heute anlässlich der 10. Preisverleihung immer noch genauso wichtig ist: Diesen Mut zur Auflehnung und Selbstbestimmung will dieser Kinderpreis unterstützen.

Und das sage ich wohlüberlegt und als Vater, dessen Kinder erwachsen sind und der auch Erscheinungen wie die Pubertät nicht vergessen hat. Die Entdeckung des eigenen Lebens und des Geschenks der Freiheit, der Spaß am Lernen, oder anders gesagt – langsam erwachsen zu werden, das macht die Kindheit eines jeden einzelnen Geschöpfs zu etwas Schützenswertem. Die Kindheit, jede Kindheit ist heilig. Ob in der Armut Afrikas oder als kleiner Prinz in England. Kein Unterschied. Denn die Kindheit eines Menschen bedarf unserer besonderen Fürsorge, unseres besonderen Schutzes. Ob Schutz vor Hunger oder Schutz vor Medien. Von daher möchte ich den Satz „Kinder sind unsere Zukunft“ nicht mehr sagen. Besser heißt es: Kinder sind kleine Menschen, die ihre Zukunft viel intensiver vor sich haben als wir und die sich ohne uns nicht wehren können. Und wir müssen uns fragen, wo wir uns für sie und ihr Wohlergehen auflehnen.

Wer Mut vermitteln will, muss selber mutig sein. Und damit sind wir zurück bei uns. Da gab es vor über zehn Jahren den Mut des Ehepaares Mann -zweier Menschen, die ihr Leben mit Kindern und Kinderfernsehen verbracht hatten - zur Evangelischen Kirche zu kommen und diesen Preis anzustoßen und mit ins Leben zu rufen. Ihnen sei heute aus Anlass der 10. Verleihung von Herzen mit aller Liebe, zu der kleine Menschen viel fähiger sind als ich, gedankt. Sie beide konnten in keinem besseren Moment zu uns kommen: die Evangelische Kirche hatte den ‚Runden Tisch Qualitätsfernsehen für Kinder’ initiiert, setzte sich mit viel Engagement in der Medienpolitik und in der Medienproduktion für absolute Qualität gerade in diesem Bereich ein, hatte sich dabei die Uneigennützigkeit groß auf ihre Medienfahne geschrieben, beteiligte sich mit den katholischen Geschwistern sogar an Produktionsfirmen in diesem Genre und konnte mit dem Ehepaar Mann etwas tun, was der Kirche nicht immer eigen ist: konsequent den Worten weitere Taten folgen lassen. Immer wieder, zehn Jahre lang.

Diese Taten bestehen auch darin, immer und immer wieder die Macher von Kinderprogrammen für gute Arbeit zu loben, ihre Ideen zu bewerten und die Programmverantwortlichen zu ermahnen, nicht gleichgültig zu sein gegenüber dem Kinderprogramm und es nicht vollständig von den Vollprogrammen in die Spartenkanäle zu verdrängen. Sondern zu ermutigen, Programm zu machen, das Große und Kleine im Vollprogramm miteinander schauen können. Nicht immer mehr vom immer Gleichen produzieren zu lassen (weil die ersten Folgen ‚soo’ erfolgreich waren), Stoffe nicht nur aus der Literatur zu adaptieren, sondern auch eigene Ideen kreativ entwickeln zu lassen und zu verstehen, dass gutes Fernsehen für Kinder gutes Geld kostet. Alles zigmal gesagt und wie da so unsere Eigenart ist, gebetsmühlenartig wiederholt.

Auch der folgende Satz stimmt aus der ersten Verleihung: Auch wenn ich ein Quotenfreund bin, und der bin ich immer noch, bitte: Denkt nicht nur an die Quote. Es ist verheerend, ausschließlich die Gesetze des Marktes auf das Kinderfernsehen anzuwenden. Kinder sind uns als Kinder und nicht als Konsumenten erwünscht. Hier klatschten dann meist die Produzenten und die Senderverantwortlichen ertrugen mich und meine Worte – mit Langmut.

Wenn wir nur die Quote sehen, dürfen wir die Banken nicht für den ausschließlichen Blick auf die Rendite kritisieren. In zehn Jahren hat sich manches in der Wahrnehmung von Zuschauern verändert, vielleicht auch im Blick auf die Jagd nach der Quote. Kinderfernsehen muss eine Investition in unser gemeinsames Leben sein. Kinderfernsehen muss den Kindern dabei helfen, ihr Leben selbstbestimmend zu gestalten. Diesen Anspruch sehe ich gerade vor einem christlichen Hintergrund als absolut verpflichtend an. Kinder sind wie alle Schwachen in besonderer Weise zu schützen. Mit diesem Preis wollen wir diesen Schutz deutlich einfordern und zeigen, wo und wie er bereits jetzt gelingt.

Und die Jury, die das tut, die hat auch Gesichter, das von Gerda Mann und Heike Mundzeck, von Magret Albers und Maja Götz, von Gabriele Arndt- Sandrock und Tilmann Gangloff - und von Udo Hahn. Ihm möchte ich besonders danken, da er ab sofort und also schon in diesem Jahr in seiner Funktion als Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing den Robert Geisendörfer Preis für Kinderprogramme dauerhaft finanziell unterstützen wird. Als langjähriges Jurymitglied liegt ihm das am Herzen. Wir sagen Danke.

Doch jetzt das größte Danke an die Preisträger und mit ihnen an all jene, die mutig gutes Kinderprogramm machen. Die sich auflehnen gegen Ablehnungen von Ideen, die ihre Vision von einem guten Programm für Kinder gegen alle Widerstände verfolgen, die sich mit ihrer ganzen Person einbringen, um etwas Tolles für Kinder zu machen. Und etwas Preiswürdiges schaffen. Die dabei das Glück haben, sich frei zu fühlen – und sich die Freiheit nehmen, mutig zu sein.

Stellvertretend für sie alle nehmen wir uns als Jury die Freiheit, heute zwei herausragende Produktionen auszuzeichnen....