Sterben für Allah? Deutsche Gotteskrieger auf dem Weg nach Syrien

Peter Gerhardt, Ilyas Mec, Ahmet Senyurt HR 2014, Redaktion: FS-Politik und Gesellschaft, verantwortl. Redakteurin: Julia Klüssendorf; Koproduktion: BR, Stefan Meining; SWR.

Christian Ditsch

Peter Gerhardt, Ilyas Mec, Ahmet Senyurt, Preisträger Fernsehen

Begründung der Jury

Für Enis geht es um Sieg oder Tod. Er siegt nicht, er stirbt – als „Gotteskrieger“ in Syrien. Für eine demokratische Gesellschaft geht es um Religionsfreiheit und Toleranz und damit um ihr Selbstverständnis und die Herausforderung, ihren Wertekanon zu verteidigen.

Peter Gerhardt, Ilyas Mec und Ahmet Senyurt begeben sich auf eine akribische Spurensuche – wie wurde aus dem Frankfurter Schüler ein radikaler Islamist, der das Töten im Namen Allahs lernt und der – gerade einmal 16 Jahre jung – erschossen wird? Behutsam befragen sie Enis’ Mutter über seine Radikalisierung, sein Eintauchen in eine fanatisierte Gedankenwelt. Die Autoren suchen Auskunft bei der Leiterin von Enis’ Schule. Die engagierte Pädagogin hat das Abdriften des Jungen in salafistische Kreise genau registriert, seine Entwicklung hat sie besorgt, und dennoch war sie von seinem Verschwinden überrascht.

Die Filmemacher zeichnen ein umfassendes Bild – vom Wandel einer Religion zur Kampfideologie, von der Entwicklung einer „Gegenkultur“ mit eigener Sprache und Symbolik, von einer ausgeklügelten Propaganda mit professionell gemachten Internetspielen und einer Computerspiel-Ästhetik, von fanatischen Predigern, die hierzulande ihr Unwesen treiben, von einer organsierten Szene, die junge Europäer in die Kampfgebiete des IS schleust. Es entsteht ein aufrüttelnd dichter Film über die Methoden der Salafisten und die Strukturen der Gotteskrieger aus den Aussagen eines Islam- und eines Sozialwissenschaftlers, eines Verfassungsschützers, eines Verbindungsmannes in der türkischen Grenzstadt Antakya und eines Kommandeurs der säkular orientierten freien syrischen Armee, der von der ungeheuren Verrohung der jungen Dschihadisten berichtet. Am Ende macht diese gründliche Recherche klar: Die Radikalisierung junger Muslime ist keineswegs nur ein Thema islamischer Gemeinden, sondern ein drängendes Problem, das uns alle angeht und für das es keine einfachen Lösungen gibt.